Akte geschlossen
Die Akte Ladbrokes ist ein Lehrstück darüber, wie genau man die amtliche Whitelist lesen muss. Denn der Name taucht dort tatsächlich auf: Eine Firma namens Ladbrokes (Deutschland) Limited ist bei der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) gelistet. Nur gehören zu diesem Eintrag die Domains partypoker.de und bpremium.de, nicht das Casino, für das die Marke einst bekannt war. Die Casino-Marke Ladbrokes ist vom deutschen Markt verschwunden; der Konzern dahinter ist unter anderen Namen legal aktiv. Dieser Bericht hält beides sauber auseinander.
Steckbrief
| Merkmal | Befund |
|---|---|
| Marke | Ladbrokes Casino (Casino-Sparte des britischen Traditionsbuchmachers Ladbrokes, heute Teil des Entain-Konzerns) |
| Frühere Bekanntheit | Casino eines Buchmachers mit über hundertjähriger Geschichte; rund 300 Spiele von Playtech, Microgaming und IGT |
| Whitelist-Status | Casino-Marke nicht gelistet — Stand Juli 2026; die Firma Ladbrokes (Deutschland) Limited ist ausschließlich mit partypoker.de und bpremium.de verzeichnet (Quelle: GGL-Whitelist) |
Die Geschichte
Ladbrokes zählt zu den ältesten Namen des britischen Wettgeschäfts; die Ursprünge des Hauses reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Über Generationen stand die rote Marke für Wettannahmestellen auf der britischen Einkaufsstraße, und als das Glücksspiel ins Netz wanderte, war Ladbrokes früh mit einem breiten Online-Angebot dabei, Sportwetten voran, Casino gleich dahinter.
Das Casino, das in den 2010er Jahren auch um deutsche Spieler warb, war ein typischer Vertreter der großen Häuser jener Zeit, lizenziert in Gibraltar. Rund 300 Spiele von gleich drei namhaften Herstellern (Playtech, Microgaming, IGT), das im markentypischen Rot gehaltene Design, Jackpot-Slots mit beworbenen Millionensummen und ein Live-Casino mit Roulette, Blackjack, Baccarat und Casino Hold'em. Mobil lief das Angebot auf iOS und Android. Neukunden lockte ein Bonus bis 600 Euro; der Kundendienst war per Hotline, Chat und E-Mail erreichbar. Getragen wurde all das vom Vertrauen in einen Buchmacher, der älter war als die meisten seiner Kunden.
In Deutschland profitierte das Casino von genau diesem Erbe. Nach damaliger Eigenangabe zählte es rund 800.000 aktive Spieler, und in deutschsprachigen Vergleichen stand die Marke regelmäßig weit vorn. Der Buchmacher-Bonus wirkte doppelt: Wettkunden brachten ihr Vertrauen mit, und der über hundert Jahre alte Name ließ die Frage nach einer deutschen Erlaubnis gar nicht erst aufkommen. Dass die Rechtsgrundlage lediglich eine Gibraltar-Lizenz plus die Duldung der Grauzone war, stand auf keinem Werbebanner. Es war dieselbe Konstruktion wie bei allen großen Häusern jener Jahre, nur mit besonders viel Tradition als Fassade.
Während das deutsche Kapitel des Casinos zu Ende ging, sortierte sich der Konzern neu, und zwar gründlich: 2016 fusionierte Ladbrokes mit der Wetthauskette Coral, 2018 übernahm der Glücksspielkonzern GVC die Gruppe, und 2020 benannte sich GVC in Entain um. Die Marke Ladbrokes lebt in anderen Märkten weiter, vor allem im Vereinigten Königreich. Für Deutschland entschied sich der Konzern erkennbar für andere Pferde im Stall.
Der heutige Stand
Die Lage verlangt Präzision, deshalb Schritt für Schritt. Erstens: Ein Ladbrokes Casino für deutsche Spieler gibt es nicht; keine Casino-Domain der Marke ist auf der GGL-Whitelist verzeichnet (Stand: Juli 2026). Jedes Angebot, das deutschen Spielern heute unter diesem Namen Automatenspiele oder Tischspiele anbietet, ist unerlaubtes Glücksspiel, ohne OASIS-Anbindung, ohne kontrollierte Einzahlungslimits, ohne deutsche Aufsicht. Einzahlen dort ist ein unreguliertes Risiko.
Zweitens, und das ist die Besonderheit dieser Akte: Die Firma Ladbrokes (Deutschland) Limited steht sehr wohl auf der Whitelist, mit den Kategorien Online-Poker, Sportwetten und virtuelle Automatenspiele, aber ausschließlich für die Domains partypoker.de und bpremium.de. Der historische Firmenname wurde im Entain-Konzern also zum rechtlichen Träger ganz anderer Marken. Wer auf partypoker.de Poker spielt, spielt bei einem erlaubten Anbieter, dessen Erlaubnisinhaber zufällig Ladbrokes heißt. Wer dagegen auf einer „Ladbrokes Casino"-Seite einzahlt, spielt bei niemandem, den die deutsche Liste kennt. Erlaubt ist exakt, was die Liste nennt: diese Firma, diese Domains, diese Spielformen. Nicht mehr.
Was heißt das praktisch für die gelisteten Angebote? Wer auf partypoker.de oder bpremium.de spielt, bewegt sich im regulierten Rahmen mit allem, was dazugehört: Identitätsprüfung vor dem Spiel, Anbindung an die Spielersperre OASIS, das anbieterübergreifende Einzahlungslimit über LUGAS und eine deutsche Behörde als Aufsicht. Für virtuelle Automatenspiele gelten zusätzlich der Höchsteinsatz von 1 Euro pro Spin, die 5-Sekunden-Spinregel und das Autoplay-Verbot. Das ist ein anderes Spielerlebnis als im alten Ladbrokes Casino mit seinen Jackpot-Slots und Live-Tischen. Es ist auch das einzige, das der deutsche Rahmen hergibt.
Drittens der Konzernblick: Entain ist im deutschen Markt breit und legal vertreten. Neben Ladbrokes (Deutschland) Limited führt die Whitelist etwa die Gesellschaft hinter bwin.de, gelistet für Automatenspiele, Poker und Sportwetten. Der Konzern hat seine Deutschland-Strategie sichtbar auf diese Marken konzentriert; ein Comeback der Casino-Marke Ladbrokes ist in der Liste nicht angelegt. Sollte sich das ändern, wird diese Akte neu geöffnet. Bis dahin gilt für Suchende die Grundregel dieser Seite: Domain gegen die Whitelist prüfen, nicht den Markennamen. Wie das systematisch geht, steht unter So prüfen wir; dreiste Namens-Trittbrettfahrer landen auf der Warnliste.
Der Fall taugt darüber hinaus als Lesehilfe für die gesamte Whitelist. Große Konzerne treten dort mit mehreren Gesellschaften auf, deren Namen historisch gewachsen sind und mit den beworbenen Marken wenig zu tun haben müssen. Hinter einer Poker-Domain kann eine Firma mit Buchmacher-Namen stehen, hinter einer Automaten-Plattform eine Holding aus Malta. Verwirrend ist das nur, solange man Marke und Erlaubnisinhaber gleichsetzt. Die Liste selbst ist eindeutig: Sie verknüpft jede erlaubte Domain mit genau einer Firma und genau benannten Spielformen. Alles außerhalb dieser Verknüpfung ist nicht erlaubt, mag der Name noch so vertraut sein.
Legale Alternativen
Drei geprüfte Anlaufstellen mit gültigem Whitelist-Eintrag:
- 888 – die deutsche Gesellschaft 888 Germany Limited ist mit 888.de für virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Sportwetten gelistet; vom Profil her die nächstliegende Alternative zu einem Buchmacher-Casino.
- Merkur Slots – die Gauselmann-eigene Plattform merkurslots.de mit den Merkur-Automaten, gelistet über Merkur Bets Malta Limited.
- JackpotPiraten – Automaten-Anbieter (jackpotpiraten.de), gelistet für virtuelle Automatenspiele über die DGGS Deutsche Gesellschaft für Glücksspiel mbH.
Fazit
Ladbrokes zeigt wie kein zweiter Fall den Unterschied zwischen Marke und Erlaubnis. Die Casino-Marke, mit der deutsche Spieler den Namen verbinden, ist vom Markt und ohne Whitelist-Eintrag; jedes heutige „Ladbrokes Casino" ist für Deutschland unerlaubt. Zugleich steht die Firma Ladbrokes (Deutschland) Limited als Erlaubnisinhaber für partypoker.de und bpremium.de in der amtlichen Liste, als Teil des legal aktiven Entain-Konzerns. Wer die Liste genau liest, kann beides nicht verwechseln. Für die Casino-Marke bleibt die Akte geschlossen.